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Jungenprobleme

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„Kann ja mal vorkommen,“ sagt Mutter, „allen Jungs in deinem Alter passiert das irgendwann mal. Naja, es ist peinlich, aber morgen hat es jeder wieder vergessen.“ Oja, die Jungs in meinem Alter vergessen ja so schnell und, überhaupt, gehässig und spöttisch sind sie auch nie. Nein, wir lieben uns untereinander und verhalten uns immer wie Erwachsene. Ohoh, Problem. Sind die Erwachsenen nicht gehässig und spöttisch? Noch dazu sind sie falsch, verlogen und egomanisch. Klar passiert das jedem Jungen in dem Alter, aber vergessen hat es noch keiner. Die Erinnerung an den einzelnen wird höchstens nur von dem nächsten, dem es passiert, verdrängt. Und wer das Pech hat der allerletzte zu sein, dem das passiert, dem hängts ewig nach. Daran gingen schon die Besten zu Grunde. Hoffentlich bin ich nicht dieser Allerletzte, das wär´ hart. Schande über Schande, sowas durfte mir doch nicht passieren. Früher hätt´s besser gepasst, so vor zwei, drei Jahren, als die anderen soweit waren, dass es ihnen passierte, in einer Zeit des Glücks und der Harmonie. Allen ging es gut, nachdem sie es hinter sich hatten. Aber ich bin der Spätzünder. Und dann auch noch das Mitleid meiner Mutter! Ich bin echt schon zu alt um bemuttert zu werden. Sie spricht mit mir wie mit einem Achtjährigen, der gerade seine Bettnässerneigung entdeckt hat. Das wäre eine Kleinigkeit im Gegensatz zu dem, was ich jetzt durchmachen muss. Oh mein Gott, morgen wird es schlimm! Die Anderen werden mich aufziehen, auslachen und was weiß ich was sonst noch mit mir machen. Oh nein, morgen verlass ich das Haus nicht, diese Schande soll den anderen keine Chance geben mich zu quälen. Aber ich muss raus, hab ja keine andere Wahl. Am besten dementieren und alles als Gerücht hinstellen. Aber der Stefan war dabei, hat alles gesehen. Verdammt, es gibt kein zurück mehr, ich werde mich allen stellen wie ein Mann. Egal wie peinlich es ist, es gibt mindestens hundert gleichaltrige, denen das im selben Moment passiert ist wie mir. Aber gerade bei mir war´s schlimm, ich, der immer so geprotzt hatte. Da kommt wirklich was auf mich zu. Und meine Mutter versucht mich zu trösten. Ich liebe sie, aber sie kennt das ja nicht, sie war immer nur Mutter und Hausfrau, fast schon vom Kindergarten an. Sie erfüllte nicht die Voraussetzungen. „Komm schon Schatz, Kopf hoch! Jeder kann mal seinen Job verlieren, da musst du nicht so ein Gesicht machen. Du führst dich ja auf wie ein 17-jähriger, dabei bist du über doppelt so alt. Natürlich kannst du bist du eien neuen Job hast bei mir wohnen, dein Zimmer ist immer noch frei. Und jetzt geh schlafen, du musst morgen früh aufs Arbeitsamt!“

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Über den Autor

NaimED

NaimED

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