Über das Lesen, über den Umgang mit Büchern, über die Magie des Buches hat Hesse zahlreiche Essays, Betrachtungen und Skizzen geschrieben und es stets als eine seiner Aufgaben betrachtet, Vermittler zu sein und an die Werke großer Dichtung heranzuführen.

Von den Wegen, die zur Bildung führen, einer echten Bildung, die nicht irgendeinem Zweck dient, sondern ihren Sinn in sich selbst trägt, Erfüllung und Antrieb zugleich ist und hilft, unsrem Leben einen Sinn zu geben, die Vergangenheit zu deuten, der Zukunft in furchtloser Bereitschaft offenzustehen … ist einer der wichtigsten das Studium der Weltliteratur. Ein solches Studium, schreibt Hesse in dem kleinen Bändchen der Reclamschen Universal-Bibliothek unter dem Titel Eine Bibliothek der Weltliteratur, bedeutet das allmähliche Sichvertrautmachen mit dem ungeheuren Schatz vonGedanken, Erfahrungen, Symbolen, Phantasien und Wunschbildern, den die Vergangenheit uns in den Werken der Dichter und Denker vieler Völker hinterlassen hat. Dieser Weg ist endlos, niemand kann ihn jemals zu Ende gehen… Nicht darauf soll es uns ankommen, möglichst viel gelesen zu haben und zu kennen, sondern in einer freien, persönlichen Auswahl von Meisterwerken . . . eine Ahnung zu bekommen von der Weite und Fülle des von Menschen Gedachten und Erstrebten. Der echte Leser aber muß zum Liebenden werden. Lesen ohne Liebe, Wissen ohne Ehrfurcht, Bildung ohne Herz ist eine der schlimmsten Sünden gegen den Geist. Die Beschreibung einer idealen kleinen Bibliothek der Weltliteratur, die diesen für Hesses eigenes Verhältnis zur Literatur kennzeichnenden Vorbemerkungen folgt, bietet einen bei aller Knappheit imponierenden Überblick über die Dichtung der Völker und beweist die umfassende Lebens- und Leser-Erfahrung des Dichters selbst. Das kleine Bändchen steht, wie Kurt Tucholsky einmal bemerkte, „wolkenkratzerhoch über den gangbaren Literaturgeschichten“.