Romantische Lieder (1899)

Auf einen Blick

Erscheinungsjahr
1898
Verlag
Verlag E. Pierson, Dresden
Gattung
Gedichtssammlung
Erstauflage
600 Exemplare in dreifacher Ausstattung (leinengebunden und broschiert)
Besonderheit
Erste selbständige Veröffentlichung Hesses, an den Herstellkosten mit 175 Mark beteiligt

Cover von Hermann Hesses Lyrikband Romantische Lieder, Erstausgabe 1898/99

„Romantische Lieder“ ist Hermann Hesses erstes selbständiges Buch. Im Herbst 1898 erschien der schmale Lyrikband bei E. Pierson’s Verlag in Dresden, datiert auf 1899. Hesse war 21 Jahre alt, lebte als Sortimentsgehilfe in der Heckenhauer’schen Buchhandlung in Tübingen und bezahlte 175 Mark als Druckkostenzuschuss aus eigener Tasche. Die Erstauflage von 600 Exemplaren verkaufte sich denkbar schlecht: bis Januar 1900 fanden nur 54 Stück einen Käufer.

Inhalt: neoromantische Stimmungsgedichte

Die „Romantischen Lieder“ stehen klar in der Tradition der deutschen Romantik – Novalis, Eichendorff, Brentano und Tieck sind die hörbaren Vorbilder. Der Band stellt Hesses Jugend-Lyrik unter ein Motto von Novalis und entfaltet Bilder und Töne der Sehnsucht, des Heimwehs, einer müden Trauer und Schwermut: Träume eines einsamen, empfindsamen Herzens, das sich in der Welt nicht zurechtfindet und sich der Klage und dem Verzicht ergibt.

Auch das spätere zweite Buch Eine Stunde hinter Mitternacht (1899) hat seinen Titel aus einem Gedicht dieses Bandes übernommen.

Hesse über sein Debüt

Hesses Mutter Marie hatte das Manuskript gelesen und sorgenvolle Kritik geäußert. Am 2. Dezember 1898 rechtfertigte sich der Sohn in einem Brief:

Die „romantischen Lieder“ tragen schon im Titel ein ästhetisches und ein persönliches Bekenntnis. Ich nehme es als Abschluß einer Periode und glaube, daß auf mein ferneres Dichten von ihnen aus kein Schluß zulässig ist. Das Manuskript ist seit Frühjahr fertig, – eben seither bin ich einsamer, stiller, klarer geworden. Die Redaktion, die Aufnahme einzelner und Weglassung anderer Lieder glaubte ich, nach sehr langem Besinnen, von nichts Persönlichem abhängig machen zu dürfen. Das Büchlein sollte kein Kunterbunt, sondern ein Ganzes, eine Reihe von Tönungen und Variationen desselben romantischen Grundmotivs werden.

Hermann Hesse: Brief an seine Mutter Marie Hesse, 2. Dezember 1898 (Suhrkamp Verlag, Gesammelte Briefe, Band 1)

Bedeutung im Werk

Kommerziell war das Debüt ein Misserfolg, literarisch ist es das frühe Zeugnis einer Eigenart, die sich erst Jahre später durchsetzen wird. Die Form der Gedichte lässt schon eine starke Begabung und ein ausgeprägtes Gefühl für Sprachmelodie und Rhythmus erkennen. Einzelne Strophen tragen bereits den eigenen Klang, der dann im Werk des Reifen – von Peter Camenzind bis zu den späten Gedichten – voll zur Geltung kommt. Ein erhaltenes Original der Erstausgabe wurde 2020 für rund 2.000 Euro versteigert.

Häufige Fragen zu „Romantische Lieder“

Wann erschienen Hesses „Romantische Lieder“?

Der Band erschien im Herbst 1898 bei E. Pierson’s Verlag in Dresden – das Titelblatt nennt allerdings die Jahreszahl 1899. Es ist Hermann Hesses erste selbständige Buchveröffentlichung.

Wie hoch war die Auflage?

Die Erstauflage umfasste 600 Exemplare, von denen sich bis Januar 1900 nur 54 verkauften. Hesse selbst hatte 175 Mark zu den Herstellungskosten beigesteuert.

Welche literarische Strömung prägt den Band?

Die „Romantischen Lieder“ gehören zur Neuromantik. Hesse orientiert sich an der deutschen Romantik des 19. Jahrhunderts – Novalis liefert das Motto, Eichendorff, Brentano und Tieck sind die spürbaren Vorbilder.

Quellen

  • Hermann Hesse: Romantische Lieder. Erstausgabe E. Pierson’s Verlag, Dresden 1898/99.
  • Wikipedia: Romantische Lieder – Erscheinungsdaten, Auflage, Selbstkostenzuschuss, neuromantischer Kontext.
  • Volker Michels (Hrsg.): Hermann Hesse. Gesammelte Briefe, Band 1. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1973 – Brief an die Mutter vom 2. Dezember 1898.
  • Bernhard Zeller (Bearb.): Hermann Hesse. Eine Chronik in Bildern. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, erweiterte Auflage 1977 – Titelblatt und biografischer Kontext.

Kennst du das Gedicht?

Ein Haus bei Nacht durch Strauch und Baum Ein Fenster leise schimmern …

Flötenspiel von Hermann Hesse