Peter CamenzindNachdem der Verleger S. Fischer den „Lauscher“ gelesen, dem Autor sein Gefallen an diesem Buch bekundet und gleichzeitig nach neuen Arbeiten gefragt hatte, war Hesse durch diesen Zuspruch sehr erfreut und ebenso angespornt, den kürzlich begonnenen Roman „Peter Camenzind“ fertig zu stellen.

Nach Vorabdrucken von Oktober bis Dezember 1903 in der „Neuen Rundschau“ erscheint die Buchausgabe, Ludwig Finckh gewidmet, im Januar 1904. Schlagartig wurde nun der Name des unbekannten Autors berühmt und mit dem Signum des gewichtigen Fischer Verlags eröffnete sich ihm der Eintritt in die große Literatur. Noch im gleichen Jahr erhielt Hesse den Wiener „Bauernfeldpreis“, bis 1909 erschienen 50.000 Exemplare.
Die depressive Schwermut der Lauscher-Zeit war nun überwunden und brachte einen gesünderen, robusteren und jüngeren Dichter hervor, dessen kraftvolle Naturschilderungen und mächtiger Sprachrhythmus ihn unerwartet zu großem Erfolg verhalfen.

In einem Gruß an französische Studenten schrieb Hesse:
>> Peter Camenzinds Unzufriedenheit und Sehnsucht richtet sich nicht auf die politischen Verhältnisse, sondern teils auf die eigene Person, von welcher er mehr verlangt, als sie vermutlich wird leisten können, teils auf die Gesellschaft, an der er auf jugendliche Weise Kritik übt. Die Welt und Menschheit, die er allerdings kennenzulernen noch wenig Gelegenheit hatte, ist ihm zu satt, zu selbstzufrieden, zu glatt und normiert, er möchte freier, heftiger, schöner, edler leben als sie, er fühlt sich zu ihr von Anfang an im Gegensatz, ohne eigentlich zu merken, wie sehr sie ihn doch lockt und anzieht. << *1

 

Titelblatt der Erstausgabe aus:
Bernhard Zeller (Bearbeitung): Hermann Hesse. Eine Chronik in Bildern. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main. Erweiterte Auflage 1977. Seite 43.

Zitat aus:
*1 Volker Michels (Hrsg.). Schriften zur Literatur Band 1. Offener Brief „Neue Zürcher Zeitung“, 4.8.1951. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main. 1972. Seite 25 ff.