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Der Mythos von den Kugelwesen

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Es war, so geht die alte Sage,
der Mensch einst kugelrund
und mit den Göttern jener Tage
in eng vertrautem Bund.

Der Mensch erwies den Göttern Ehre
zu deren Lob und Preis,
dass er der Götter Glanz vermehre
so gut er kann und weiß.

Die Kugelwesen waren glücklich,
doch bildet sich im Lauf der Zeit
ein Übermut und es schien schicklich,
den Göttern gleichgestellt zu sein.

Der Mensch besaß die Kraft und Stärke,
doch fehlte die Bescheidenheit
und Einsicht, dass der Götter Werke
sich zeigt erst in Unendlichkeit.

Die Götter sahen das mit Unmut:
der Mensch, er drohte gegen sie
aufzubegehren und mit Wut
zu zerstörn die Hierarchie.

Doch Zeus, der Herr der Götter, dachte,
zu schützen Herrschaft und Tribut
wie er dem Spuk ein Ende machte
und schleuderte der Blitze Glut

nicht um den Menschen zu verbrennen,
doch um zu stoppen Aufbegehren
bewirkte er, den Mensch zu trennen
nun in zwei Hälften, um zu wehren,

dass sich der Mensch in kühnem Denken
nun auch der Götter gleichgestellt
sich dünkt und glaubt, er könne lenken
allein das Schicksal dieser Welt.

Der Götter Urteil war beschlossen,
die Menschen wurden nun getrennt,
die Einheit, die der Mensch genossen,
verwirkt – auf dass der Mensch erkennt:

nicht sich der Götter gleichzusetzen
kann Ziel und Sinn des Lebens sein,
es gilt die Einheit wertzuschätzen,
sie ist des Daseins Sinn allein.

Nun irrt der Mensch solang er lebt
auf dieser Welt herum und strebt
von sich den Gegenpart zu finden
um dann sich wieder zu verbinden.

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minnesaenger

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