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In den Erdbeerfeldern

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(Zwei Herren im Chat haben mich ├╝berredet, doch auch mal was von mir zu posten... :-)

In den Erdbeerfeldern

Ist es nicht schon etwas seltsam im Leben? Ich m├╝he mich ab, strenge mich an, meine Person in Kollegenkreisen einzubringen, mein Ansehen unter ihnen zu festigen und nachdem es mir einigerma├čen gegl├╝ckt ist, mu├č ich feststellen, da├č ich mich in meiner Rolle eigentlich gar nicht so wohlf├╝hle. Denn neuerdings h├Âre ich die Kollegen nur noch von Aufstiegschancen, Qualifikationen und Einstiegsgeh├Ąltern sprechen. So hei├čt es, ohne ein Studium sei es unm├Âglich in die h├Âheren Etagen zu kommen, so sei es nun mal dort drau├čen in der Gesch├Ąftswelt und ich werde das schon auch noch lernen. Ein Fernstudium sei in Betracht zu ziehen oder sogar ein berufsintegriertes. Dies sei zwar gleichbedeutend mit dem Verlust jeglicher Freizeit f├╝r die n├Ąchsten drei Jahre, aber es w├╝rde sich schlie├člich auszahlen, wenn man danach mit einem entspannten L├Ącheln auf seine Kontoausz├╝ge blicken kann.

Nun, in drei Jahren bin ich 28, ein biblisches Alter, so kommt es mir heute vor. Aber meine Kollegen haben sicher recht. Wer rastet, der rostet und ist bald zu nichts mehr zu gebrauchen.

Wenn ich sie so reden h├Âre, von ihrer Kompetenz und der bevorstehenden Karriere ├╝berzeugt, bleibe ich immer still. Ein beklemmendes Gef├╝hl setzt ein, rei├čt an den Magenw├Ąnden und der Kehle bis hinauf zu den Tr├Ąnens├Ącken. Ich blicke aus dem Fenster der Bahn, in der diese Diskussion auf dem Nachhauseweg entfacht ist, und mu├č beinahe meine Tr├Ąnen zur├╝ckhalten. Die Felder huschen an uns vor├╝ber, die Menschen, die schon den ganzen Tag Erdbeeren aus ihnen gepfl├╝ckt haben, blicken kurz auf und verschnaufen. Weiter entfernt steht die Sonne noch halb am abendlichen Himmel und taucht die herannahende Stadt in ein glei├čendes, warmes Licht.

Wir verschwinden im schwarzen Tunnel, n├Ąchste Station Hauptbahnhof. Meine Kollegen verlassen mich, sie m├╝ssen sich beeilen, um ihren Anschlusszug noch zu bekommen. Ihn zu verpassen w├Ąre ├Ąrgerlich, erkl├Ąren sie mir beim Aufstehen, die Abende seien ja so kurz geworden. Das stimmt, nicke ich, bis morgen dann.

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Autor:in

Timo

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