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Eine Stunde stand ich am gestaltlosen Meer

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Eine Stunde stand ich am gestaltlosen Meer.
Die Wolken hatten kein Licht.
In den Dünen schnitt das Gras scharf die Luft.
Wie ein Pfiff der Möwenschlag über mir.
Eine Stunde stand ich am gestaltlosen Meer.

Eine Stunde brachte ich beim Yogi zu.
Er schnürte eine Kordel immer wieder zum Knoten.
Ich lag auf der Matte und fühlte das Reisstroh,
fuhr auf und ab die Muster der Röhrchen nach.
Eine Stunde brachte ich beim Yogi zu.

Eine Stunde ging ich auf den Markt und zwischen die Leute.
Eine Katze folgte mir bis ins dichte Gewühl.
Ich nahm sie schließlich auf die Stufen des Doms.
Dann kam die Nacht und die Katze entsprang.
Eine Stunde ging ich auf den Markt zwischen die Leute.

Eine Stunde ging ich weit nach hinten, – und in mich.
Ich schmeckte in der Stille meine wahres Verlangen.
Vor Ratlosigkeit verschluckte ich mich, – eisig
und flach war der Hauch meines Atems.
Eine Stunde ging ich weit nach hinten, – und in mich.

Wieder stand ich am gestaltlosen Meer,
über dem Friede lag
und eine langausgestreckte Gewißheit
wiederkehrenden, währenden Seins.
Wieder stand ich am gestaltlosen Meer.

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Über den Autor

litfink

litfink

Ehemaliges hhesse.de Mitglied

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