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Vorzeit

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Karges Sandbett, fahle Frühe,
Tote, gebettet, die Knie angezogen,
ruhn im Rund.
Frische Frucht in meinen Lippen,
Kirsche, Mädchenherz. Dies ist
der Morgen, der anhebt mit Küssen,
zärtlichem Umschließen, dich
zu finden, Leib im Raum.

Der Tau netzt unsere Wimpern,
wir liegen im Licht,
die Gräser trocknen, die kleinen
Vögel suchen Nahrung unter dem
Himmel.

Die Linien fließen,
schießen, kreuz, quer,
uns davon, entgegen,
Zeit, uns entströmend,
uns bergend, füllend,
reif, herbstlich, abendlich.

Schatten im Schilf.
Boote schießen vor und teilen den See.
Oh Abend schrie der Blick
der Hindin.
Oh Abend und der Hügel sank.
Ein Fächeln vieler Gräser,
Ausatmendes, vielleicht ein Ende,
ich ritt ins Land, ich sah und
roch das Feld, den Waldrand,
die Ballen aus grün und braun.

Links sang Bessie Smith,
über uns sank der Abend,
tief ins Feld.
Wir fallen.
(1956)

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Über den Autor

litfink

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Ehemaliges hhesse.de Mitglied

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