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Rauschen

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Hier also sitzt der Einsame nun, nicht fragend und windend, gefunden hat er. Dieses in seiner raumlosen Vielfalt, eben jenes in seiner unendlichen Singularität Unfassbare rauscht durch seinen Geist und zerbirst die Gegenwart. Es offenbart den Moment als anhaltendes Kontinuum, Zeit als Objekt der Imagination welche Bruchteile des Ewigen in Systeme zwängt dessen Achsen sie willkürlich Vergangenheit und Zukunft heißt. In den Strömen Vollkommenheit in welchen nunmehr ein Jeder Teil so aufwendig verknüpften Ichs zerreißt und entschwimmt und entbehrlich wird, verliert sich jede eingebildete Selbstgewissheit und der letzte Hauch Ich, sich noch klammernd am Phantasiegebilde Realität, wird sich in einem letzten Akt seiner Unbedeutsamkeit gewahr und entgleitet in den Fluten der schöpfenden Vollendung. Es ist der allen Trugbildern des Verstandes abstrahierte Geist Prinzip geworden, die erste Geburt ist vollbracht, der letzte Tod ist gestorben.

An jenem Tag und dieser Stunde, da weilt er an heiligem Orte. Geschultert die Idee, welche ihm zu Kopfe gestiegen leicht die Seelenlast zu tragen weis. Wand sie sich so grundlos der Existenz ausgeliefert noch im leeren Raum der Subjektivität, so wird sie, lauschend dem Puls des Erfahrbaren, alsbald in Angesicht der Ewigkeit zugleich Weg und Ziel – und aller Fragen Antwort satt sein. An diesem Punkt wird dem leise in sich gekehrten, ein Gedanke entspringen welcher die Leere zwischen den Dingen umfängt und der weite Kosmos ist in einem Punkt gefasst.

Es gibt diesen Ort und jenen Platz, den er aufsucht, schönen Gedanken harrend, den Moment suchend, rauschende Stille ahnend. Hier verbringt er manche Stunde um einer Welt fremder Sinngebung den Rücken zu kehren, ihrer vielerlei hochgeschätzter Nichtigkeit zu entsagen und aufzugehen in der Wirklichkeit des Jetzt. Dort sitzt der Einsame, seinen Gott unlängst zu Grabe getragen, mit verschränkten Beinen und verklärten Augen ganz still versunken. Mit unbestimmtem Ausdruck lächelt er leise. Ruhende Sinne zeichnen sein Gesicht, jeder Regung arm, so sehr in der Symphonie des Lichtspiels zerflossen, den zart süßen Geschmack warmer Laute und Töne kostend. Aus trüben Augen sprechen schweigende Gedanken die da Unerhörtem lauschen. In mir das allgegenwärtige Rauschen.

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Über den Autor

Freiherr v. Strahlenstein

Freiherr v. Strahlenstein

Ehemaliges hhesse.de Mitglied

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