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racheakt (fortsetzung „mein bleicher bruder“)

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Einige Zeit nach dem Krieg.
„Ich habe es gesehen, damals, als Heller zum Bataillon geschickt wurde.“ Sagte Unteroffizier Hoffmann.
Mein Blick haftete auf einem hohen Fenster und in meinem Unterbewußtsein, lebte die vergangene Geschichte auf.
Ich trat aus der Tür in die tiefe Schwärze. Kein Licht war zu sehen, nicht mal ein Stern leuchtete am weiten Horizont. Wolken hatten sich angestaut, standen am Himmelszelt als wollten sie in jedem Moment ihre Schleusen öffnen. Heller war gegangen. O wie war mir sein schelmischer Blick, seine verletzende, grässliche Art verhasst.
Diese Ironie, die mich peinigte die mich erniedrigte und gegen die ich nicht ankam, mit meiner schüchternen, ängstlichen Art. Ich spürte wie die Wut in mir zu wallen begann. Ich starte in die dunkle schwarze Nacht. „Er war es, der mich zerriss, er ist Schuld an meinem Seelenleiden.
Wieviel Stunden verbrachte ich in den dunklen Schlingen, des Selbstzweifels, wegen seinen bösen Worten?
Nie gelang es mir ihm zu beweisen, dass ich kämpfen kann, dass ich ihm überlegen bin. Seine Worte waren wie Nägel, die er in meine zarte Seele schlug. Wunden die nie heilen, Schmerzen die ich ewig leide.
Stunden in Pein, er wird mich nicht mehr schelten, o nein.“
Allein stand ich in dieser Kälte und spürte wie sie sich mit ihren eisigen Zähnen durch meine Kleider frass.
Die Einsamkeit war ich gewohnt ich liebte und hasste sie. Menschen waren mir gleichgültig geworden, nie konnten sie mich respektieren, oder hätten mir geholfen.
Es war mir als schalle ein scheußliches Lachen durch die bittere kalte Nacht. Ich sah Heller´s Gesicht vor mir, sein spöttisches Grinsen, hörte seine Worte die sich in meine Seele brannten und wie alle um mich zu Lachen begannen. Nun war mir als käme ein Sturm über mich, der Hass lies mich ganz erbeben und ich hörte Schritte. Ich griff zu meiner Waffe: „Wer ist da?“
„Seid mir gegrüßt, bleicher Bruder, kannst dich noch auf deinen kläglichen, dünnen Beinen halten?“ mit einem widerlichen Grinsen stand Heller vor mir. Die Wut brannte in mir wie ein Feuer und mit einem harten Blick schaute ich ihm in seine Augen: „Nun ist es vorbei, vorbei mit allem Leid, dass ich wegen dir ertragen musste!“
Ein Schuß lauter als jeder Donnerschlag, kälter als Schnee und Eis und mächtiger als jedes Unwetter, schallte über den weiten Platz und er fiel zu Boden.
Im Moment stand ich wie betäubt. Vor den hohen Tannen lag er nun regungslos.
„Tot bist du! Ich habe dir meine Macht bewiesen, habe meine Macht benutzt und ich habe Macht zur Sünde gemacht.“

Über den Autor

Iljilia

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