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Morsches Holz

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Einst sah ich dich im Winde wiegen,
sah, was in dich drang und blieb.
Sah dich deinen Schmerz besiegen
und sah, was dich vorran trieb.

Sah dein Willen und dein Entsagen,
sah dein Klagen und dein Flehn.
Sah dich täglich Hoffnung tragen
und dich weiterhin bestehen.

Sah dich stark und voll Gutem,
sah dich allem beständig.
Sah, wie viel Jahre in dir ruhten
und sah dich lebenswendig.

Doch sah ich auch, was dich besiegte,
sah, wie vollkommen unbedacht
des Menschenhand an dir kriegte
und dich hat zum Fall gebracht.

Sah, wie sie dich liegen ließen,
sah dich ohne Kraft sich neigen.
Sah dein täglichen Willen fließen
und sah dich erstmals leiden.

So liegst Du heute, als morsches Holz,
entwichen aus dir all dein Stolz.
Schließt nun endgültig die Augenlieder
und legst die letzte Hoffnung nieder.

(Max Herrmann)

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Über den Autor

weißer-Schatten

weißer-Schatten

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