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Jeromy Nr. 2

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AUSGABE # 2




J.E.R.O.M.Y





KURZGESCHICHTE:

Willkommen bei der zweiten Ausgabe von „Jeromy“ dem Internetmagazin. Diesmal erwartet euch eine Kurzgeschichte über einen ziemlich merkwürdigen Menschen, der mit seinem eigenartigen Humor niemanden, ja wirklich niemanden zum Lachen bringt.

Die Geschichte von einem humorvollen Menschen, der niemandem zum Lachen bringt:

Wie jede Geschichte, die der unermesslichen Fantasie entsprungen ist, fängt auch diese Geschichte mit dem berühmten Satzteil an:

Es war einmal ein junger Mann, der in einer zehnköpfigen Familie am Mittelmeer aufwuchs. Da dieser Mann eher schwächlich und ziemlich ungeschickt war, kam er nie in den Genuss im Meer zu baden. Außerdem wurde er oft in der Schule gehänselt, was ihm bis in sein hohes Alter verfolgen wird. Es ist keiner dieser jämmerlichen Amokläufer, die eine Schwarze Liste führen, und ihre Gräueltat bis ins Detail planen. Nein, er ist ein ganz einfacher Mann, mehr nicht, oder habt ihr jetzt etwa erwartet, dass in meiner Fantasie nur Helden vorkommen. Da habt ihr euch aber gründlich getäuscht, tut mir echt leid, aber dieser Geschichte wird keine Heldentaten beschreiben, nein diese Geschichte hat kein „Happy End“, in dieser Geschichte handelt es nicht von Liebe, auch nicht von Geld, weil der Protagonist dieses nicht hat, das versteht sich wohl von selbst, diese Geschichte ist zwischen Illusion und Tragödie anzusiedeln.
Kehren wir also zurück zu dieser langweiligen Geschichte. Jetzt habt ihr noch die Chance dieses Dokument von eurem Computer zu löschen, und den zweiten Teil von „Jeromy“ zu einem verschollenen machen, einer Rarität, einer Nie-gelesenen-Geschichte, ohne Glanz, nichts dergleichen. Die letzten zehn Sekunden laufen schon ab, entschließt euch, oder langweilt euch zu Tode.
10...8...6...5...4...3...2...1...zero

ATTENTION, ATTENTION, ATTENTION, ATTENTION, ATTENTION, ATTENTION



Dieser Unglücksselige, den auch Gott verlassen hat, weil dieser seinen eigenen Glauben fast verloren hätte, als er sah, dass diese Tat, die Erschaffung von diesem Armseeligen, nicht gut war. Nein sie war keineswegs gut, nicht von Gott geschaffen könnte man glauben, da hatte sich einer als Gott versucht und war jämmerlich daran gescheitert. Jedenfalls geht unser Protagonist außer Haus, in seinem Haus wohnt er in einer kleinen dreckigen Höhle, die mehr einem Loch als einer Wohnung gleicht, wo er nur heißes Wasser hat, wenn er es per Gasherd, der nur nach Gutdingen funktionierte und bei dem man in ständiger Lebensgefahr steckte, aufheizte. Man sieht er hat es nicht weit gebracht, doch hier soll es auch nicht um das Materielle gehen. Ich weiß eigentlich gar nicht worum es hier eigentlich gehen soll, sagen wir halt einfach, um ein wenig intellektuell zu wirken, dass es sich hier um eine Erzählung in Form einer Kurzgeschichte handelt, die in Prosa verfasst wurde und einen einzigen lyrischen Teil am Schluss hat. Klingt doch nicht so schlecht, oder sollten wir es anders nennen, wie etwa: eine Abhandlung über das tragische Dasein eines Verlierers, oder: Prosatext, oder: Gesetz des Versagens Teil I erschienen bei Amazon.de, oder: eine neue Ära bricht an, oder: sehen wir der Tatsache ins Auge, dass wir keine Bedeutung im dreckigen Ozean der Weltverdrießlichkeit haben, oder...oder...oder!?

Als er außer Haus geht begegnet ihm im Stiegenhaus ein kleiner Junge, der sofort begreift, dass dieser Mann einer der Gattung Verlierer ist, und der dieses Subjektiv immer behalten wird, selbst wenn er gestorben ist, werden die Menschen sein Grab schänden, damit sie ihm die letzte Ehre erweisen, sie spucken auf seine Ehre, sie hassen ihn mit solch einer Hingabe, dass es sich wie Liebe anfühlen muss. Der kleine Junge, der eine umgedrehte Baseballmütze aufhat, ergreift sofort die Chance sich über den Mann lustig zu machen. Er tut so als ob er sich verlaufen hat, und seine Mutter nicht mehr findet. Dabei ist er ein solch guter Schauspieler, dass er sogar manch eine Träne über seine Wangen gleiten lässt, diese verfängt sich dann auf seinem Kinn, wo es vom Licht der müden Frühlingssonne schimmert. Der Jämmerliche geht auf den Jungen zu und fragt ihn, was denn los sei. Er hat wirklich ein gutes Herz, doch wie bei vielen mit einem guten Herzen, hat auch er das Problem, dass er sehr naiv ist. Seine Naivität wird immer wieder von den Leuten ausgenutzt. So ergab sich eines Tages eine Szene in der Wartehalle des Bahnhofs, wo ihn ein Obdachloser um ein wenig Geld gebeten hat. Der gutherzige Mann gab ihn etwas Kleingeld, worauf der Obdachlose wie wild zum Schreien anfing, und ihn wüst beschimpfte. Durch die dominante Stimme des Minderbemittelten schienen alle Wartenden auf den Einsamen zu starren, kopfschüttelnd und mit einem zornigen Gesicht, das zeigte, dass keiner mit ihm befreundet sein möchte. Jedenfalls kam es dann soweit, dass der Naive dem Obdachlosen all sein Geld, das er eigentlich für die Anzahlung eines kleinen Pocketcomputers aufwenden wollte, gab. Insgesamt etwa € 150,--. Nicht gerade wenig für einen der im Monat maximal € 850,-- verdient. Da der Obdachlose genug andere seiner Gattung kannte, und mit diesen am selben Abend, oder war es erst am Morgen, einen Trinken ging, sprach es sich schnell herum, dass es einen naiven Menschen gab, den man nach Strich und Faden verarschen konnte. Nach etwa einem Monat der absoluten Ausbeuterei beschloss der Mann nicht mehr auf den Bahnhof zu gehen, ja wirklich nicht mehr an Orte gehen, wo sich Sandler befanden, der erste Obdachlose hatte wirklich seine Arbeit gut gemacht, denn nur mehr wenige immer voll Besoffene wussten noch nichts über den naiven armseligen Mann. Schließlich konnte der Mann nur mehr inkognito ausgehen. Bis er dann gar nicht mehr ausging, nur ganz selten und verspannten Griffes auf seiner Brieftasche verließ er das Haus, um das Nötige zum Überleben zu kaufen.
Er überstand auch das, neben den täglichen Beschimpfungen seiner Nachbarn, neben dem Telefonterror, neben dem nächtlichen Klopfen an seiner Tür, neben den monatlichen Einbrüchen, neben der Verweigerung der Bank einen Kredit zu vergeben, obwohl er doch ein kreditwürdiges Einkommen hatte. Alles schien gegen ihn gewendet zu sein. Auch der kleine Junge, der sobald der Mann ihm die Hand entgegenstreckte, diese mit all seiner jugendlichen Kraft seiner Zähne als Hamburger vernaschte. Dann lief und besser gesagt, ging langsam davon, weil er genau wusste, dass der Mann humpelte, man hatte ihm in seiner Kindheit übersehen, als er am Straßenrand spielte, und ein LKW ihm über seine Füße fuhr. Es kam häufiger vor, dass man ihn einfach übersah. Sogar bei der Zeugnisübergabe war es zur Gewohnheit geworden, dass man sein Zeugnis sofort zu seinen Eltern per eingeschriebenen Brief sandte.
Der Mann blickte hinab auf seine Hand. Er erkannte die feinen Zahnabdrucke des Jungen, vereinzelt floss Blut aus den frischen Wunden. Er war schon einen viel größeren Schmerz gewohnt, weshalb ihn diese Sache nicht sehr störte, denn es war zur Gewohnheit gekommen, dass ihn die Kinder hänselten und verletzten. Einmal hat ihm ein junges Mädchen beinahe eine Schädelfraktur verpasst, der er aber mit viel Glück und dem Unvermögen der Kleinen aus dem Weg gehen konnte. Sie hatte einen großen glatten grauen Stein in der Hand. Als der Mann bei ihr vorbeiging und sie kurz mit seinen Augen fasste, warf sie den Stein nach ihm. Der Stein ging knapp an seinem Haupt vorbei, und er glaubt schon, dass er doch auch Glück haben mochte, doch der Stein prallte von einem Baum gebremst ab und schlug am Hinterkopf ein. Dadurch, dass die Geschwindigkeit durch den Umweg über den Baummast deutlich gebremst wurde, hatte er nur ein ungefähr fünf Zentimeter großes Kat. Er musste zwar vom Arzt genäht werden, dieser verlangte seit kurzem auch einen Beitrag des Dauerpatienten für die Nähte und die Desinfektionsmittel. Widerwillig aber doch zahlte er seinen Beitrag, es würde sich für ihn trotzdem immer noch auszahlen, da er oft blaue Flecken, Hämatome, Schnitte und ähnliche Verletzungen, bis hin zu etlichen Knochenbrüchen hatte. Sein Chef hatte ihn sogar schon einmal angesprochen, ob er vielleicht einer von der Sorte der Heißsporne wäre, der um sich gut zu fühlen eine kräftige Tracht Prügel braucht. Er schämte sich, doch er konnte seine Geschichte auch nicht aufklären, da diese noch unglaublicher wäre, als dass dieser schwächliche Mann ein Prügelknabe sei.

Mit den Zahnabdrucken auf seiner Hand machte er sich zu Fuß zur Arbeit in einer Fastfood-Kette. Dort war er als Koch angestellt. Seine ehrenvolle Tätigkeit war das Auflegen von neuen Fleischlaibchen, und das Reinigen und Schneiden von Grünem Salat. Mit seinem mickrigen Gehalt konnte er sich kein Auto leisten und musste mit den Öffentlichen fahren. Am Anfang hatte er nicht einmal das Geld für eine ordentliche Fahrkarte, daher fuhr er oft schwarz. Wie es weitergeht wisst ihr vermutlich schon. Jedenfalls hatten die Kontrolleure soviel Glück mit ihm, dass man eine Gehalterhöhung veranlasste, und zusätzliche Arbeitsplätze schuf.

So machte er sich auf den Weg in die Arbeit. Am Vorabend hatte es leicht geregnet, doch die Straßen schienen trocken zu sein, bis auf eine längliche Lache, bei der er just in dem Moment vorbeikam, als ein Schwertransporter mit vollem Karacho hineinfuhr und ihn von oben bis unten mit dem dreckigen Wasser bespritzte. Für diese Fälle hatte er immer eine zweite Garderobe in einem wasserfesten Rucksack mit, in der Arbeit hatte er noch zwei weitere Kleidungsstücke, und einen Regenmantel, der auf hoher See normalerweise zum Einsatz kommt.
Er ging seinen Weg gemütlich weiter, nein gemütlich ist das falsche Wort, er ging eigentlich hektisch, weil er von einer Todesangst begleitet wurde, die er immer hatte, wenn er auf der Straße unterwegs war.

Bei der Arbeit angekommen, schlug man ihm gleich die Tür gegen sein Gesicht, worauf seine Nase zum Bluten anfing. Seine Nase war das Gebrechlichste in seinem Körper, er hatte sie schon unzählige Male gebrochen, manchmal wusste er gar nichts davon, weil sie ihm chronisch schmerzte. Dann kam der Chef zu ihm, und hier wird auch diese Geschichte vorläufig beendet, es folgt noch der lyrische Schlussteil, der aus dem Mund des Chefs persönlich stammt, er lautet folgendermaßen:

„Armer Mann tu kommst zu spät,
immer wieder und immer öfter,
bis der Hahn schon kräht,
auf seinem Mist er dich erspäht.

Armer Mann ich entlasse dich,
doch bin ich kein Unbarmherziger,
und lass dich,
es wäre ja für uns beide heftiger.

Armer Mann warum arbeitest du hier,
ich glaube du bist ein Schwindler,
manchmal machst du mich zum Stier,
oder bist du ein Finder?

Ja, du bist ein Finder,
ein übler Schwindler,
ein armer Hund,
es gibt nur einen Grund.

Dieser eine Grund
ist, dass ich dich sogar liebe,
für deine jämmerliche Existenz,
wie du immer wieder in ein Fettnäpfchen tapst.

Jetzt sollten wir aber langsam aufhören,
du hältst mich von der Arbeit ab,
willst du denn mir nicht gehören,
ich hab es langsam satt.“

Mit diesen Worten wurde der Mann entlassen, ohne jedoch einen triftigen Grund für diese Fristlose zu benennen.

Wie wird es weitergehen?, frage ich euch schon wieder. Wie soll das Ende aussehen? Wird er doch irgendwann sein Glück finden, wird eines Tages jemand seinen Humor verstehen, wird er sogar seine Ehre zurückgewinnen können? Wir werden sehen, doch bis dahin müsst ihr noch eine Weile warten. Die Fortsetzung folgt bestimmt, solange ihr mit von der Partie seid.

SCHLUSSWORT:

Zum Schluss appelliere ich wieder an euch, dass ihr mir eure Kritik zukommen lässt. Diesmal bestand „Jeromy“ nur aus einer Kurzgeschichte, was wiederum deshalb von Nöten war, da ich aus dieser Kurzgeschichte eine Art Fortsetzungsfolge machen will. Je nachdem welche Themen mir gerade einfallen, wird diese Geschichte hin und wieder in einer Ausgabe erscheinen. Ich kann euch aber nicht versprechen, dass dies schon in der nächsten Ausgabe erfolgen wird. Damit wünsche ich euch noch einen schönen Sommer, für alle die noch eine Nachprüfung im Herbst haben, alles Gute, und nehmt es nicht all zu ernst, denn eure Eltern können sich nicht in eure Position versetzen, außerdem arbeitet man unter Druck nicht sehr produktiv, was zur Folge hat, dass der Output als auch der Input sehr eingeschränkt ist. Liebe Eltern hört auf mit der jämmerlichen Projektion eurer eigenen Wünsche auf eure Kinder! Lasst sie frei, damit sie sich entfalten können, und Selbstständigkeit leben können. Gut, diesmal erfährt ihr nichts über die Fortschritte von „Emil Vogel“, einfach deshalb, weil ich im jetzigen Moment der aktuellen Schreibtätigkeit keine Geheimnisse mehr lüften möchte, die das zukünftige Lesevergnügen beeinträchtigen könnten. Somit sind wir auch schon am Ende angelangt. Bleibt dran! Lebt die Demokratie! Versucht unabhängig zu werden! Hört auf euch Masken anzulegen, die von der Modeindustrie geschaffen wurden, nur um eurer Geld zu rauben. Hört auf mit diesem sinnlosen Hass! Hört auf mit eurer Ignoranz und eurer Intoleranz! Verweigert den Wehrdienst! Seid im festen Glauben an euch glücklich!

Jetzt ist wirklich das Ende gekommen.

Ich verabschiede mich

Mit freundlichen Grüßen




Andreas Eduard Pfeiffer

Email: 28eddi@gmx.at


Für grammatikalische, inhaltliche Fehler sowie für Tippfehler, Rechtschreibfehler und Kontext entschuldige ich mich.

Technische Daten:

Wörter: 2,087 (2. Ausgabe)

· „jämmerlich“ und seine Abhandlungen kommen 5 Mal vor.
· „Arm“ und seine Abhandlungen kommen 5 Mal vor.
· „Liebe“ und seine Abhandlungen kommen 4 Mal vor.

Nachtrag: 2,324 Wörter (1. Ausgabe)


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Autor:in

emil vogel

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