Hymne an die Nacht 5/5 (1)

(Novalis gewidmet)

Ich denke nach, beim Lesen eines Gedichts,
das erzählt von eines Propheten Traum.
Ich schaue in die Nacht,
doch sehe keine Erklärung, nur das Schwarze.
Ich schaue in mich selbst, und lausche—
Hörte auch ich ihre Musik?

Ich suche die Noten dieser Musik
in den Worten eines Mannes Gedichts.
Ich suche den Ursprung seiner Stimme und lausche
dem heimlichen, einmaligen Rhythmus eines Traums,
dessen archetypischer Diskurs beruht auf einem schwarzen
Liniensystem, gleichend der Nacht.

Heraus vom Dunkel der Nacht
erscheint der Urdämon der Musik.
Er trägt einen langen, schwarzen
Mantel, dessen Bindung ist ein Gedicht,
hergestellt in einem Traum,
dem der Dichter, verzaubert, lauscht.

Auch ich muss lauschen,
und betrachte die Kraft der Nacht.
Der Urdichter begrüßt mich in einem Traum.
Er spricht, und seine Stimme ist Musik,
deren Melodie fließt durch dieses Gedicht,
dann verbleicht sie ins Schwarze.

Mein Bewußtsein wird auch schwarz.
Mein Herz bleibt stehen, um zu lauschen.
Vergeblich rezitiere ich dieses Gedicht,
meine Bemühungen vereitelt von der Nacht,
deren Ohren warten auf ihre eigene Musik.
Auch Nächte möchten träumen.

Dort, in einem Traum der Nacht,
unterwirft sich der Raum dem Schwarzen,
und die Zeit widmet sich der Musik—
Der einzige Zeitvertrieb der Nacht heißt Lauschen.
Obwohl die Kameradschaft gesucht wird von der Nacht,
beneidet sie auch die Einsamkeit eines Gedichts.

Noch in jedem Traum ich lausche.
Wenn meine Augen das Schwarze sehen, wenden sich meine Ohren an die Nacht,
und hören eine kleine Musik in jedem kleinen Gedicht.

Meinung

Über den Autor

rich

hhesse.de's USA-Korrespondent und Mitglied seit der ersten Stunde.

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