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der sprung (vielleicht noch nich ganz fertig…..)

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Der Sprung

Der Turm auf dem sie nun stand gehörte zu der alten verfallenen Ruine, die inmitten des Großen Parks stand. In der näheren Umgebung hatte man keine Bäume gepflanzt, keine Sträucher, keine Büsche. Es fand sich hier auch keine Parkbank, auf der man sich hätte ausruhen können. Die Ruine war nur wenige hundert Meter vom Großen See entfernt, der Erfrischung und Abkühlung versprach und um denn sich in diesen heißen Sommermonaten alles Leben abspielte.
Hunde tollten umher oder räkelten sich im Schatten der großen Bäume, an die sie angekettet waren. Manche ließen ihre Zungen aus dem Maul hängen um sich Kühlung zu verschaffen. Kinder jagten Bällen nach, bettelten bei ihren Eltern um Geld für ein Eis und tobten sich auf den dafür vorgesehenen Spielplätzen aus. Junge und alte Paare spazierten auf den Kieswegen durch den Park, oder machten es sich auf den frisch gemähten Grünflächen bequem. Menschen in Anzügen studierten dicke Tageszeitungen und versuchten ihre knapp bemessene Mittagspause zur Erholung zu nutzen. Meist saßen sie auf den grünen Bänken, neben die, auf beiden Seiten, Mülleimer aufgestellt waren. Überhaupt war der Park aufgrund der reichlich vorhandenen Mülleimer sehr sauber. Wenige Mountainbiker sah man in diesen Tagen, vermutlich aufgrund der hohen Temperaturen. Vor Imbissständen und Springbrunnen bildeten sich lange Schlangen und in regelmäßigen Abständen waren Hundetoiletten aufgestellt, die Handschuhe und Plastiktüten für die stolzen Herrchen und Frauchen bereithielten. Diese neue Maßnahme sollte den Park von all der Scheiße sauber halten.

Die Ruine war nun aber nicht Schauplatz des allgemeinen Lebens. Sie stand auf einem kleinen, sanften Hügel und war das einzige Objekt in der näheren Umgebung, das kühlen Schatten warf. Das Gras um sie herum wurde nur selten gemäht und stand an diesem Tag bereits einen halben Meter hoch. Und wiegte sich raschelnd und knisternd im warmen Wind. Augrund der Trockenheit erinnerte das Gras aber eher an die goldgelben Steppen Afrikas und an Heu, es hatte nichts mit dem saftigen Grün des Rasens am See gemeinsam. Der Boden war staubig und der einzige Weg zur Ruine, ein schmaler, gewundener Trampelpfad, war fast völlig zugewachsen. Dieser kahle Fleck war von mehreren Reihen Bäumen umzäunt, ging man durch sie hindurch kam man zum Großen See und den weiten Grünanlagen des Parks.
Die Ruine selbst war schon immer eine Ruine gewesen. In keiner früheren Zeit war sie etwa ein prächtiges Schloss, ein angesagtes Restaurant, ein Internat oder ein Museum gewesen, niemand erinnerte sich an ihre frühere Funktion. Eigentlich wusste auch niemand ob sie in dem Park errichtet worden war, oder der Park um sie herum. Aber sie war da.
Sie war schon sehr stark verfallen. Kein Gebäude und keine Mauer war mehr intakt, bis auf einen großen Turm, der in der Mitte der Ruine stand. Das alte Gemäuer der Ruine war tiefschwarz und sehr löchrig, Klettern auf den alten Mauern barg ein beträchtliches Risiko. Stellte man sich am frühen Morgen vor der Ruine auf und blickte man entgegen der aufgehenden Sonne, konnte man sehen, wie feine Sonnenstrahlen die Mauern und Gebäude durchlöcherten und sich ihren Weg durch Stein und Fels bahnten. Diese Augenblicke waren die wenigen, in denen man in dieser Umgebung Freude, Erstaunen und Glanz und Licht erleben konnte. Leider wussten nur wenige Menschen von der Existenz dieses wunderbaren Schauspiels und so stand die alte Ruine meist einsam auf ihrem kleinen Hügel und sehnte sich nach dem nächsten Sonnenaufgang, der die Hoffnung auf Anteilnahme bereithielt.

Als sie auf dem Turm stand konnte sie auf den ganzen Park herabblicken und beobachtete noch eine Zeit lang das Geschehen. Sie stand oft hier und betrachtete die Menschen.

Dann sprang sie.

Die Menschen wirkten aus dieser Entfernung wie Ameisen.

Je näher sie dem Boden kam, desto genauer sah sie die Menschen. Aus Ameisen wurden Mäuse, aus Mäusen wurden schließlich immer mehr das, was sie tatsächlich sind.

Kurz vor dem Boden versperrten die Baumreihen die Sicht auf die Menschen und so gelang ihr nicht die Menschen aus der Nähe zu sehen.

Das letzte was sie sah waren zwei Tauben, die um ein Stück rohes Fleisch kämpften und mit den Schnäbeln verbittert aufeinander einpickten.

Außer ihr nahm dieses Schauspiel niemand wahr und es sollte das Letzte sein, dem sie beiwohnen durfte.

Bevor sie aufschlug und sich Gehör verschaffte.

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Über den Autor

der olifant

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Ehemaliges hhesse.de Mitglied

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