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ARTEMIS AN DER QUELLE

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Du hast dich auf die Spitze gestellt
um deiner Schwester über den Kopf zu sehen
große Aufgabe heute im Supermarkt
der alles hat
auch Hochglanzzeitschriften wie Marie Claire

Da schon hast du das Heft in der Hand
und blätterst es auf
die Schwester prallt zurück
aber du bleibst standhaft
und siehst dir wenigstens die Autorin an
dieses brave Bild einer Frau
die ein Kreuz um den Hals trägt
und lieb schaut

Du hast mich heute gefragt, was ich mag.
Was mir gefällt, wenn ich an dich denke.

Ich hebe die Hand vors Licht,
um deine Helle besser zu sehen
im Gesicht und über dem länglichen Körper,
der Wasser liebt und den Bergwind,
der von weither kommt.

Ich mag die unbestimmte Art, mit der du „ja“ sagst
und mir in die verschwiegene Kirche folgst,
in der es dunkel und geheimnisvoll ist
im schweren Gewölbe.

Ich liebe die großzügige Art, mit der du ablehnst
und zustimmst, je nach deiner Natur.

Wer deine Zustimmung hat, ist gut dran.
Der andere weniger. Der wird dann abgeblitzt,
weggestellt, und muß in Ecken leiden,
die er sich sucht, um dich von dort
weiterhin zu beachten.

Ich liebe die Frische
und das Jugendliche und Jungenhafte:
alles hast du, was ich wünsche,
wenn du flach liegst oder dich drehst
oder mir nur die Hand hältst
und ich dir
wenn wir sprechen und träumen
und ganz da sind wie Artemis in der Quelle.

Über den Autor

litfink

litfink

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