Dichter unter dem Hammer

PFORZHEIM. Wenn Dichter unter den Hammer kommen, dann haben die Erben meist wenig Freude. Denn Autoren sind zumeist nicht mit irdischen Gütern gesegnet. Auch der weltweit gerühmte, 1877 in Calw geborene Dichter und Schriftsteller Hermann Hesse lebte von Kindheit an in bescheidenen Verhältnissen, wie er in vielen Briefen festgehalten hat. Erst die Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahr 1946 für den Roman „Das Glasperlenspiel“ hellte Hesses Situation auf.

Weit üppiger wird vermutlich der Ertrag ausfallen, wenn nun im Pforzheimer Auktionshaus Peter Kiefer etliche Raritäten zu Hermann Hesse versteigert werden. Die Neugier solventer Hesse-Freunde weckt sicherlich das zu 10 000 Euro angesetzte Spitzenlos: ein 1905 entstandenes Bildnis der Dichters, der sich gerade den ersten literarischen Lorbeer zu erwerben begann. Das 33,5 mal 27,5 Zentimeter Portrait, Tempera auf Karton, ist von Ernst Würtenberger (1868 bis 1934) geschaffen worden und war etliche Jahre als Leihgabe im Hermann-Hesse-Museum in Gaienhofen ausgestellt. Oben rechts monogrammiert und datiert, trägt das unter Passepartout und Glas gerahmte Bild auf der Rückseite des Rahmens einen handschriftlichen Besitzvermerk aus der Familie des Dichters.

Mit „vertraulich“ handschriftlich gekennzeichnet hat Hesse den maschinengeschriebenen Brief (Karbonkopie) an einen Mediziner aus dem Jahr 1954. Das Los wird zu 100 Euro aufgerufen. Eine Sammlung von acht Hesse-Autographen, darunter fünf Briefe, ein Foto und ein handschriftliches Gedicht, nebst einer „Glasperlenspiel“-Ausgabe von 1952, ist zu einem Taxpreis von 180 Euro angesetzt.

Obschon sein künstlerischer Rang als Maler niedriger einzustufen ist denn als Autor, so erfreuen sich Hesses Aquarelle großer Publikumskunst. In der Pforzheimer Herbstauktion angeboten werden nun vier Aquarelle über Tinten- bzw. Tuschzeichnungen („Pfirsichblüte“, „Verfrühter Herbst“, „Sylvester“, „Fragment“). Jeweils auf einer Seite des Doppelblattes steht unter dem Bild der eigenhändige Titel des dazugehörigen Gedichtes, indes auf der zweiten Seite Hesse handschriftlich die Strophen des dazu passenden Gedichtes festgehalten hat. Die Doppelblattgröße beträgt jeweils 29 mal 20 Zentimeter. Dem Angebot (Taxpreis 7 500 Euro) angeschlossen ist noch eine längsovale, von Hesse mit einem Aquarell geschmückte Titelkarte „Ein paar Gedichte von Hermann Hesse“.

Die Versteigerungen finden statt am 25. und 26. September in den Räumen des Auktionshauses Peter Kiefer, Pforzheim, Steubenstr. 36, Telefon 07231-9232-0. Vorbesichtigungen am 20. September, 13 bis 18.30 Uhr, 21. bis 24. September 11 bis 18.30 Uhr. www.kiefer.de

Sebastian Giebenrath

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