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Der Preis der Kinder

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Wenn dein Armut so gross ist,
dass du ausser den Fetzen,
die du traegst, nichts besitzt,
unter deinem kranken Körper die blosse Erde ist,
und du wirst dass, ohne einen Dach über dem Kopf,
so steigt der Wert und die Zahl
deiner Kinder.

Wenn du zum anbauen
kein Land besitzt
und zu verkaufen gibt es nichts,
hast du aber viele Schulden
und Maeuler, die hungrig sind,
so werden dich Haendler heimsuchen,
die aus der Kinderarbeit ihr Nutzen ziehen.

Sie versprechen mehr
als das, was sie letzlich geben
und sie nehmen deinen ganzen Wert, dein Kind:
für die Ziegelei und für den Steinbruch,
für das Waschen und für das Putzen,
für Kohle zu schaufeln, für Leder zu beizen,
für Teppich zu weben… Für Jahre, weg von dir.

Du gibst es her, denn man muss essen,
mit gebrochenem Herzen fühlst du die kleine Hand,
sein Körper beugt sich unter der Arbeit,
für Tagelohn mit Schlaegen: Ein hanvoll Frass,
der Zwang des Tages dauert lang
und es gibt kaum Ruhe in der Nacht,
auch dein Gewissen laesst es quaelen man.

Unschuldig folgt es den elterlichen Beschluss
und bringt ohne Widerrede
masslosen Opfer,
von Indien bis Mexico
und von Aegipten bis Kambodscha
arbeitet mit den kleinen Fingern
und macht keinen Aufstand, das teuere Kind.

Aber wehe, wenn der Fluss der ehlenden Kindheit über die Daemme steigt
und das aufgewühlte Meer der Erwachsenen zur Rache quellt.

Über den Autor

Peter Simon

Peter Simon

Ehemaliges hhesse.de Mitglied

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